Ein paar Gedanken zur Corona-Krise

In diesen Tagen scheint sich die Welt etwas anders zu drehen, unser Alltag ist auf den Kopf gestellt und jedem Einzelnen verlangt es viel ab, mit dieser neuen uns völlig unbekannten Situation umzugehen – angemessen umzugehen, wie es die Medien propagieren. Was die Medien angeht, muss ich feststellen, dass ich nach ca. einer Woche des absoluten Overloads völlig entnervt bin von immer den gleichen Berichterstattungen, Ratschlägen von übereifrigen Moderatoren gegen Langeweile sowie Online-Anleitungen für das Abhalten von Online-Yoga-Klassen und Online-Malstunden. Natürlich habe auch ich überlegt, für meine Kurse, die nun erst einmal fünf Wochen ausfallen, ein Online-Angebot anzubieten. Doch wenn ich mir Facebook und Co. so ansehe, frage ich mich, ob mein Angebot neben den Millionen Tutorials und Selbsterlebnis-Aufforderungen per Video irgendetwas ändern würde.

Nein, nicht für mich, nicht für Euch und erst recht nicht für den Rest der Welt. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr empfinde ich den Wunsch, mich zurückzuziehen, innezuhalten und genau das zu tun, was die Regierung derzeit von uns verlangt – zuhause bleiben, abwarten, innehalten. Dem Wahnsinn ein Stück weit aus dem Weg zu gehen. Genau das bringt mich dem Ursprung des Yoga wieder näher: das Innehalten, mit sich eins sein, mit der Welt in Einklang kommen. Auch, wenn die Welt Kopf steht. Oder vielleicht gerade deshalb.

Wenn wir erkennen, dass wir (also zumindest die meisten von uns) genügend Klopapier zuhause haben und die nächsten Tage nicht verhungern werden, das eigene Überleben in dieser Krise also gesichert ist, schaffen wir es vielleicht, unseren Blick auf das große Ganze zu lenken. Und wir werden (hoffentlich) wieder feststellen, wie sehr wir alle miteinander verbunden sind: die Menschen, die alles dafür geben, um die medizinische Versorgung aufrecht zu erhalten; die Selbstständigen, denen nicht langweilig ist, weil sie geplagt sind von Existenzängsten, welche die Krise mit sich bringt; die VerkäuferInnen, die nicht einfach ins Home Office gehen können und stattdessen dem Hamsterkauf-Wahnsinn standhalten müssen; die Dreijährige, die noch nicht versteht, warum sie ihre Freunde nicht mehr treffen darf; der 18-Jährige, dessen Führerscheinprüfung ausfällt und der nun für die ab 1. April neu geltenden Theoriefragen büffeln muss; die Mamis, die Home Office, Kinderbetreuung und den Alltag zu Hause mit Bravur meistern; und die alte Dame, die zwar sagt, sie habe im Krieg schon ganz andere Entbehrungen überlebt, sich bei diesem Gedanken aber eben genau an diese Zeiten zurück erinnern muss.

Wir werden diese Krise überstehen. Wir sollten darauf vertrauen. Die Zeit spielt für uns. Und auch die Jahreszeit. Wir jammern, dass wir bei diesem schönen Frühlingswetter nicht mehr raus dürfen. Wie wäre es aber, bei tristem Regenwetter zuhause sitzen zu müssen? Mir jedenfalls tun die Sonnenstrahlen gut. Und sei es nur zuhause durch das geöffnete Fenster. Ich freue mich über den Frühling. Und entscheide mich doch noch, etwas zum Online-Hype beizutragen – ein paar Frühlingsbilder… zum Wegträumen, Meditieren, Innehalten.

Bleibt gesund!

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