Ein paar Eindrücke von der „YogaWorld 2020“ in München

Und jährlich grüßt das Yogatier

Am dritten Januar-Wochenende stand, wie in den Jahren zuvor, auch dieses Jahr wieder die „YogaWorld“ in meinem Terminkalender. Zeitlich so weit von Neujahr entfernt, dass die guten Vorsätze zwar schon raus aus dem Gehirn sind, aber doch nah genug, um frisch motiviert ins neue Yoga-Jahr zu starten und sich Inspirationen zu holen… für den eigenen Unterricht, aber auch für die eigene Praxis. Und so saß ich bereits Tage vorher am PC und habe im Messeprogramm gestöbert, um mir Yoga-Stunden bei anderen Lehrern und in anderen Traditionen herauszusuchen und Vorträge zu Themen, die mich gerade beschäftigen.

 

Massenauflauf, wenn die Meister rufen

Das Schöne an der YogaWorld ist, dass man sich für den Preis des Eintrittstickets seinen Tag von morgens um 10:00 Uhr bis abends um 19:00 Uhr mit Yoga-Stunden voll packen kann, ohne extra zu zahlen. Einziger Nachteil dabei: bei großen Lehrern des Yoga wie Dr. Patrick Broome, Tanja Seehofer oder Helga Baumgartner sollte man die Schlange eine Dreiviertelstunde vor Beginn der Yoga Class nicht unterschätzen. Denn wenn die Meister rufen, kommen Hunderte von Schülern gelaufen, warten in Massen vor dem größten Yogaraum, den die Messe zu bieten hat, bis sich endlich die heiligen Tore öffnen und sie alle – Matte an Matte – unzählige „nach unten schauende Hunde“ praktizieren dürfen. Ich auch. Dieses Erlebnis darf ich mir nicht entgehen lassen. Zum einen, weil allein dieses Massenspektakel sehenswert ist. Erinnert mich ein bisschen an vergangene Boygroup-Zeiten. Zum anderen, weil vor allem Patrick Broome mich persönlich fasziniert in der Art, wie er mir zwischen zweihundert schwitzenden Yogis und Yoginis dennoch das Gefühl gibt, dass er nur mich alleine unterrichtet. Ein wirklich großer Lehrer, von dem ich viel lernen kann.

 

Zwei Tage voller Yoga

Dieses Jahr gönnte ich mir sogar zwei Messetage. Auf dem Programm standen Probestunden in Jivamukti und Yin Yoga sowie in meiner Kundalini-Tradition. Auch hier wollte ich sehen, wie andere Lehrer unterrichten und ein bisschen an meiner eigenen Praxis arbeiten. Soweit das eben möglich ist im Rahmen dieser großen Teilnehmerzahlen in den Messeräumen.

Yin Yoga begeistert mich schon eine ganze Zeit lang. Dieses tiefe Hineinsinken in die Übungen, dabei erst die Dehnung und dann das ureigene Loslassen des Körpers zu spüren. Einzutauchen in eine einzige lange Haltung und zu erfahren, wie sich der Körper und die Gedanken im Stillhalten verändern. Es ist das komplette Gegenteil zum Kundalini Yoga mit seinen oft rhythmischen und dynamischen Bewegungen. Auch besuchte ich Vorträge und Sessions zu den Themen „Heilen durch Erkenntnis“ und „Yoga und Krebs“ – Themen, die mich aktueller denn je beschäftigen.

 

Alternativer Öko-Glitzer

Die „bunten Hunde“ unter den Messe-Yogis waren auch in diesem Jahr die Kundalinis, wenngleich sie mit ihren weißen Leinengewändern und Tüchern wohl kaum bunt aussehen zwischen all den knalligen hautengen Super-Fitness-Glitzer-Outfits, vielmehr exotisch. Alleine schon deshalb fühle ich mich im Kundalini Yoga zuhause. Es geht ebenfalls um das Aussehen, um das Strahlen von innen heraus. Zwischendurch schaffte ich es auch noch, mich durch die Messestände treiben zu lassen, das bunte Durcheinander aus Schickimicki und „ultra alternativ“ auf mich wirken zu lassen. Alles ist vegan, ökologisch angebaut und biologisch abbaubar, egal was. Und Fair Trade, selbstredend. Ob das immer so stimmt, vermag ich nicht zu beurteilen. Nur wundere ich mich bisweilen über die schrille Vermarktung des eigenen Wohlbefindens, alles unter dem Motto „gut für Körper, Geist und Seele“, vieles davon ist nach meinem Empfinden völlig überteuert und überflüssig. Hip ist, wer fit ist und es zur Schau stellt. „Normalos“ musste man hier suchen. Auch Yoga-Outfits in Größen ab 40. In Sachen Kommerz steht die Yoga-Branche anderen Sport- und Fitness-Branchen jedenfalls in nichts nach. Und so probierte ich ayurvedische Süßigkeiten, ließ mich von Meditationskarten inspirieren, testete Yoga Wheels und schicke Meditationskissen und gönnte mir am Ende auch schöne Dinge… ist ja schließlich gut für meinen Geist und meine Seele.

Nach zwei Messetagen war ich voll mit Eindrücken, neuen Ideen für meine Yoga-Klassen und hatte schließlich wieder einmal das Gefühl, dass alles und jeder so sein darf, wie er möchte und es gut so ist. Denn eines haben am Ende alle Yoga-Lehren gemeinsam: das eigene „Sein“ erfahren, den Weg zu sich selbst zu finden, egal, wie bunt, schrill oder alternativ er sein mag…

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