Herbst

Die Tage werden kürzer, die Dunkelheit breitet sich aus. Wenn morgens der Wecker klingelt, ist es stockdüster und wenn wir abends aus der Arbeit kommen, ist das matte Licht des Herbsttages bereits vorüber. Blumen und Felder verblühen, die Bäume und Wälder bescheren uns eine Farbenpracht, von gelb nach rot nach braun, bis irgendwann die Blätter ihren Weg auf den Erdboden finden und kahle Äste und Zweige zurück lassen.

HerbstblattEin wenig trostlos mag diese Jahreszeit wirken. Und doch versuchen wir, sie zu genießen… den Nebel-verhangenen Morgen, die letzten Sonnenstrahlen am Mittag, die kalte Dunkelheit am Abend, die uns bereits den bevorstehenden Winter ankündigt. Ein letztes Aufbäumen der Natur, ein paar letzten Gedanken an den vergangenen Sommer und gleichzeitig die Vorfreude auf kuschelige Herbsttage im geheizten Wohnzimmer, die uns einladen, die Aktivitäten etwas zurück zu fahren, mal ein Buch zur Hand zu nehmen, mit einer Tasse Punsch zwischen den Fingern aus dem Fenster zu schauen und einfach mal die Seele baumeln lassen. Eine Zeit, um innezuhalten, durchzuatmen, aufzutanken.

Bevor dann der Jahresendspurt beginnt, mit all seinen stressigen Advent-Erledigungen, den Christkindmarkt-Verpflichtungen, dem Weihnachts-Shopping-Wahnsinn und dem “Was-ich-noch-alles-im-alten-Jahr-erledigen-wollte”.

Oder einfach eine Zeit voll gepackt mit Vorfreude auf duftende Plätzchen, bunten Lichterketten, Kerzenschein und Wohlgefühl? Ganz, wie man es für sich entscheidet…

In diesem Sinne wünsche ich Euch wundervolle Herbsttage.

Eure Sandra

 

Herbst

HerbstwaldWas hab’ ich nicht alles dem Himmel verziehn,
Nur weil er auf Hügeln die Rebe lässt blühn!
Ich liebe den Herbst und im ersten Schnee
Die Tannen im Nebel, im Berge den See.

Wo einsam im Winde die Blume sich neigt,
Die Heide nur dräuende Wolken noch zeigt,
Aus alternder Eichen zerklüfteter Wucht
Nur Raben umflattern die dämmernde Schlucht,
Da steigen mir über den Felsen im Moor
Die Götter der nordischen Sagen empor.

Sie schreiten und reiten um Berg und zu Tal,
In Stürmen auf Wolken zum Mitternachtmahl.
Ich füll’ mir indessen den Becher mit Wein
Und lasse vergangen Vergangenheit sein!
Vorüber ist mancherlei, das uns gequält,
Und war es auch bitter, es hat uns gestählt.
Die stürmischen Tage des Lebens vergehn,
Wie jagende Wolken am Himmel hin wehn.

Und alles sei freudig dem Himmel verziehn,
Nur weil er auf Hügeln die Rebe lässt blühn!

(Hermann von Lingg, 1820-1905)

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