Ganz gewöhnlich gestresst

Bank im SchneeDas neue Jahr ist gerade einmal vier Wochen alt. Und es hat sehr turbulent und aufregend begonnen, wie ich finde. Aufregend, leider im negativen Sinne. Einige prominente Menschen aus Musik und Film sind verstorben – David Bowie, Glenn Frey, Alan Rickman, um nur ein paar zu nennen -, die mich zu ihren Lebzeiten, offen gestanden, nur “am Rande” interessiert haben. Dennoch hat mich jede einzelne Todesnachricht mehr bewegt, als ich gedacht hätte. Im privaten Familien- und Bekanntenkreis startete das Jahr 2016 mit Krankheit und Krankenhaus-Aufenthalten. Das alles hat mich sehr zum Grübeln und Nachdenken veranlasst.

Die Zeit, in der man sich auf das Wesentliche besinnt und zur Ruhe zurück kommt, findet ja “für gewöhnlich” während der Weihnachtstage statt. Ich habe sie mal eben auf den Januar ausgedehnt. Und dabei stelle ich fest, dass sich bei all der inneren Einkehr die Welt da draußen schon wieder in Rekordgeschwindigkeit um sich selbst dreht. Klar, für Ruhe und Besinnlichkeit waren eben die Weihnachtstage da. Jetzt, vier Wochen nach Jahresbeginn, ist das vorbei. Alles neu, alles frisch…neue Termine, der alte Stress. Ruhe im WinterDahin die guten Vorsätze, mehr auf sich selbst zu achten und sich weniger in Stress und anstrengenden Belastungen zu verlieren. Dabei wäre es doch so einfach. Wenn wir das, was wir “für gewöhnlich” zum Jahreswechsel tun – nämlich innezuhalten, Situationen und Gewohnheiten zu überdenken und sich auszuruhen – einfach mal dazwischen, mitten im Jahr, ja vielleicht einfach mal im Januar oder Februar machen würden, dann wäre Ruhe und Gelassenheit ein Zustand, der “für gewöhnlich” jeden Tag abrufbar wäre.

“Gewöhnlich”… laut Duden bedeutet es: “durchschnittlich” (bewahre, wer von uns will schon durchschnittlich sein?), “normalen Verhältnissen entsprechend” (normale Verhältnisse muss sich heutzutage jemand erst mal leisten können!), “durch keine Besonderheit hervorgehoben oder auffallend” (gerade besonders und auffallend wollen wir doch sein). Es klingt unaufregend und bieder. Wir wollen weder gewöhnlich sein noch Dinge “für gewöhnlich” tun. Das sagen uns die Gesellschaft, unsere Jobs, unsere vollen Terminkalender. Ich persönlich finde, es ist ein sehr schönes Wort, wenn man es in Verbindung mit Ruhe und Entspannung bringt. Für mich stecken da Begriffe wie “wohnen” und “verwöhnen” drin, im übertragenen Sinne. Er fühlt sich heimelig an. Warum sollten wir also nicht im Februar einfach mal die Seele baumeln lassen? Uns ausruhen und entspannen? Kapelle im WinterUnd dazu bietet uns der stressige Alltag ganz unbewusst so viele kleine Gelegenheiten, die wir nur wahrnehmen müssen: dem Lieblingslied morgens in der vollgestopften U-Bahn im Kopfhörer lauschen; der Duft von frisch gebrühtem Kaffee, der wie selbstverständlich in unzähligen To-Go-Bechern ungeachtet vor sich hin blubbert; morgens das frisch gewaschene Lieblings-T-Shirt frisch von der Leine anziehen und dabei den duftigen Waschmittel-Geruch schnuppern; die Reaktion der Zeitungsverkäuferin genießen, wenn man ihr mit einem freundlichen Lächeln einen schönen Tag wünscht; die Vorfreude auf einen Cocktail, ein leckeres Essen oder auf ein spannendes Buch nach getaner Arbeit… all diese Kleinigkeiten, die uns zwar täglich begegnen, wir aber in unserer Hektik vergessen haben, wahrzunehmen. All das schenkt uns “für gewöhnlich” kleine Ruheoasen inmitten der stressigen Alltagsroutine. Wir sollten nur immer mal wieder innehalten, zur Ruhe kommen und unsere Gewohnheiten überdenken. Auch im Februar…

So halte ich es mit den Worten David Bowies aus dem Song “Absolute Beginners”, der mich in diesen Tagen ganz besonders berührt:

There’s no reason                                    Es gibt keinen Grund
To feel all the hard times                        Sich das Leben so schwer zu machen
To lay down the hard lines                     Sich dem Unglück zu beugen
It’s absolutely true                                 Das ist vollkommen wahr

Und was Ruhe und Entspannung angeht, dürften wir uns vermutlich alle als absolute Beginner halten. Oder wie seht Ihr das? Ich freue mich auf Euer Feedback und Eure Ideen.

Macht Euch einen ruhigen und entspannten Februar!

Alles Liebe,

Eure Sandra

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