Der Brauch des Adventskranzes und Adventskalenders

Wo kommt eigentlich der Adventskranz her?

Ab Sonntag steht er wieder auf unseren Wohnzimmer- oder Küchentischen, verbreitet seinen Tannenduft, erfreut uns durch sein wunderbares Leuchten und Glitzern und steigert unsere Spannung auf das Weihnachtsfest in höchstem Maße: die Rede ist vom Adventskranz. Am kommenden Sonntag ist der erste Advent und wir dürfen die erste der vier Kerzen anzünden. Die vier Lichter versüßen Groß und Klein das Warten auf den Heiligen Abend und bisweilen erheitern uns Kinderreime wie dieser zusätzlich die stimmungsvolle Adventszeit:

KerzeAdvent, Advent,
ein Lichtlein brennt,
erst eins, dann zwei,
dann drei, dann vier,
dann steht das Christkind
vor der Tür.

Dass der Adventskranz tatsächlich auf eine „Erfindung“ zurückgeht, die den Kindern das Warten auf den Weihnachtsabend verkürzen sollte, wissen nur die wenigsten.

Um 1860 nämlich stellte der evangelisch-lutherische Theologe und Erzieher Johann Hinrich Wichern (1808–1881) den ersten Adventskranz auf. Er nahm sich der Erziehung und Betreuung von in großer Armut lebenden Kindern an und war natürlich in der Vorweihnachtszeit ebenso wie viele Erwachsene heute noch mit der quengelnden Frage der Kinder konfrontiert, wann denn endlich Weihnachten sei. So schmückte er einen Holzkranz, den er aus einem alten Wagenrad fertigte, mit Tannenzweigen und Kerzen. Dieser Ur-Adventskranz hatte sogar noch 24 Kerzen, für jeden Dezembertag bis zum Heiligen Abend eine. So wuchs die kindliche Vorfreude mit jeder angezündeten Kerze ein bisschen mehr.

Die katholische Kirche übernahm den Brauch Anfang des 20. Jahrhunderts, als sie im Jahre 1925 in Köln und 1930 in München erstmals einen Adventskranz mit vier Kerzen – für jeden Adventssonntag eine – aufhängen lies.

In den darauf folgenden Jahrzehnten verbreitete sich diese Tradition um die ganze Welt. Der Adventskranz ist allerdings nicht nur reiner Zeitvertreib, er vereinigt eine starke Symbolik in sich: Kerzen und das Licht, das sie spenden, sind bereits seit dem 14. Jahrhundert ein Symbol für die Hoffnung und Erwartung auf eine hellere Zeit, die am Weihnachtsabend mit Christi Geburt die Welt erleuchtet. In der Adventszeit waren Kerzen meist rot – die Farbe des Blutes, das Jesus Christus für die Menschen vergoss. Die immergrünen Zweige symbolisieren Lebenskraft und Schutz vor Schäden an Haus und Hof. Bereits vor über 600 Jahren stellten die Menschen Tannen- oder Mistelzweige zum Schutz in ihrem Heim auf.

Die Entstehung des Adventskalenders

Mitte des 19. Jahrhundert entwickelte sich neben dem Adventskranz der Adventskalender zum christlichen Brauchtum, wobei es eine strenge Trennung zwischen dem religiösen und dem säkularen Adventskalender gibt. Der religiöse Adventskalender beginnt immer am ersten Adventssonntag, bedarf also jährlich einer abweichenden Anzahl von Türchen.

Weihnachten in RothenburgDer säkulare, also weltliche Kalender, zählt die Tage zwischen dem ersten und dem 24. Dezember und hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem globalen Kommerzprodukt entwickelt. Gleich dem Adventskranz dient auch der Adventskalender der Ankündigung für die verbleibende Zeit bis zum Weihnachtsabend.

Die ursprünglichsten Formen des Adventskalenders waren 24 religiöse Bilder, die an die Wand gehängt wurden oder eine Adventskerze mit 24 Markierungen, bis zu denen sie jeweils täglich abbrannte. 1904 druckte ein Münchner Verleger namens Lang die ersten Adventskalender in Form von 24 Bildern, welche die Kinder ausschnitten und auf einen Bogen klebten. Er entwickelte seine Kalender weiter und genoss über zwei Jahrzehnte den Ruf, wahre Kunstwerke in diesem Bereich herzustellen. In den 1920er Jahren erschienen Adventskalender mit zu öffnenden Türen, die Bilder zum Vorschein brachten. Ende der 1930er Jahre kamen die ersten Schoko-Adventskalender auf den Markt.

Seit den 1950er Jahren avancierte der Adventskalender zum Massenprodukt; das große Angebot brachte Preissenkungen mit sich. Zu dieser Zeit entstanden die zwei heute populärsten Varianten: Papierkalender mit romantisch-verschneiten, teils auch biblischen Bildchen und mit Schokolade gefüllte Kalender, die auf der Rückwand jedes Türchens meistens noch ein weiteres weihnachtliches Bild verbergen.

Mittlerweile hat sich die Produktion weit über die Süßwaren-Industrie hinaus ausgedehnt. Moderne Adventskalender dienen häufig nur noch als „Geschenkverpackung“ für Spielzeug, Kosmetik, Sport-Merchandising und vieles mehr, häufig ohne jeglichen Bezug auf Weihnachten.

Wem der Gedanke jedoch gefällt, seinen Liebsten Tag für Tag ein kleines Geschenk zu bereiten, kann ganz einfach selbst 24 Kleinigkeiten basteln oder kaufen und ganz individuell gestalten. Denn ob diese Präsente in selbst genähten Säckchen, in handgefertigten Pappschachteln oder einfach nur liebevoll in Geschenkpapier gehüllt am Besten zur Geltung kommen – sie kommen stets von Herzen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine entspannte und segensreiche Vorweihnachtszeit.

Alles Liebe,
Eure Sandra

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